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Sharing is Caring? Meine Meinung zu Airbnb, Uber & Co.

Teilen ist der neue Trend. Die Sharing economy boomt und ist für Unternehmer eine wahre Goldgrube. Unter dem Deckmantel des Teilens ist die Sharing economy jedoch Kapitalismus in seiner Reinform, der Angestellte ausbeutet, allgemeine soziale Probleme hervorruft und neben Gewinnern auch Verlierer kreiert.

Der Siegeszug des Teilens

Als vor wenigen Jahren Airbnb neu war, schien es erst für die meisten Menschen undenkbar, seine eigene Wohnung Fremden überlassen oder umgekehrt eine fremde Wohnung mitsamt Einrichtung und Deko für eine Zeit zu bewohnen. Heute – vielleicht 5 Jahre später – ist Airbnb fast jedem Reisenden vertraut: älteren Pärchen, Städtereisenden sowie Backpackern.

Laut einer Studie hat mehr als jeder zweite Bürger bereits Sharing-Angebote genutzt und 70 Prozent sehen sie als positiver als die Angebote herkömmlicher Unternehmen. Zukünftig werden sogar noch mehr Deutsche Sharing-Dienste nutzen wollen.

Die Beliebtheit der Tauschökonomie ist einem geschicktem Marketing, guten Angeboten und dem „sozialen Versprechen“ der Dienste zu verdanken. Es geht scheinbar darum, Menschen zueinander zu bringen, Konzerne zu ersetzen und nachhaltig zu sein.

Wie sozial ist die Sharing Economy?

Die Entwickler von Airbnb, Uber & Co. Aus Silicon Valley sind Geschäftsmänner, die eine Menge Geld verdienen wollen. Auf einer sozialen Mission sind sie nicht. Tatsächlich arbeiten Angestellte in der Tauschökonomie meist unter unischeren Bedingungen.

Uber veröffentlicht wenige Zahlen zu den Einkommen seiner Fahrer. In den USA kommt es häufig zu Protesten der Uber-Fahrer wegen geringen Einkommen. Dazu kommt, dass die Fahrer auf eigene Kosten und Risiken arbeiten. Sie sind allerdings nicht selbständig, sondern werden ständig vom System überwacht: Nehmen sie nicht über 90 Prozent der Fahrten an, werden sie gefeuert.

In Südostasien hat Uber ein anderes, aber ähnlich schlimmes Szenario kreiert. In Indonesien sind mit dem Aufkommen von Uber als ununterbietbare Konkurrenz praktisch alle Taxifahrer über Nacht arbeitslos geworden. Weil der Staat nichts macht, setzen Taxifahrer auf Selbstjustiz: Gewalttätige Übergriffe gegen Uber-Fahrer und Proteste stehen aktuell, zumindest auf Bali, auf der Tagesordnung.

Aber auch bei uns zeigen sich die unsozialen Folgen der Sharing economy. Es ist kein Geheimnis, das seit Jahren die Mietpreise in Berlin ansteigen. In den letzten Jahren kommt der Einfluss gewerblicher Airbnb-Anbieter hinzu, der die Preise in die Höhe treibt. Dabei konzentrieren sich diese auf bestimmte Straßen und Viertel, aus denen Niedrigverdiener oder Arbeitslose herausgedrängt werden.

Ein weiterer Nachteil der Sharing economy ist die Sammlung und Speicherung der unglaublichen Masse anfallender Daten bei der Nutzung digitalisierter Dienste. Was die Unternehmen mit den Daten machen, ist unklar – der Nutzer wird darüber nicht informiert. Die digitale, gesichtslose Überwachung der Uber-Fahrer grenzt an ein Pankoptikum-Szenario.

Besser: Kritik an den Wurzeln

Tauschökonomie in digitalisierter Form ist etwas Anderes als das Teilen von Person zu Person (bei dem unbewusst sozialere Verhaltensweisen gefördert werden). Was Uber, Airbnb & Co. betreiben, ist gar kein Teilen. Dort geht es darum, immer mehr private Lebensbereiche zu kapitalisieren. Keiner der Dienste würde ohne den Austausch von Geld funktionieren.

Viele Menschen nutzen die Sharing economy, gerade weil sie sich nach mehr Nähe und Menschlichkeit in der Wirtschaft nutzen. Eine Kritik unseres bestehenden Wirtschaftssystems und dessen unsozialer Folgen muss allerdings tiefer gehen.

Tatsächliche Alternativen zum profitorientierten, egoistischen Wirtschaften können nicht wie die Sharing economy die Strukturen des Kapitalismus stärken. Sie müssen alternative Wege aufzeigen, Neues ausprobieren und auf soziale Gemeinschaft bauen. Beispiele gibt es hier.

Tipps zum weiter Informieren

Als Buchtipp empfehle ich euch „Deins ist meins. Die unbequemen Wahrheiten der Sharing economy“ von Tom Slee. Auch die Artikel vom Deutschlandfunk und Vorwärts sind lesenswert. Zum Thema Mietpreissteigerung durch Airbnb in Berlin schau dir diese Seite an.

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